contexte historique (52)
... en forme d'un exercice (solutions sur la 2e page).
Avoir ces repères permet de mieux comprendre la portée de certains événements/gestes et de remettre un texte dans son contexte historique.
Ceci est vraiment juste le stricte minimum à retenir...
Attention : la version précédente contient une énorme erreur (tut mir echt leid!!!) : la fête nationale allemande, c'est le 3 octobre et non pas le 4 !
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Der Kulturwissenschaftler Claus Leggewie stellt mit Blick auf eine seiner Ansicht nach unzureichende europäische Identität ernüchternd fest, dass die Europäische Union "vergessen (habe), ihren Bürgern eine funktionierende Geschichte zu erzählen".[1] Dieses Zitat verweist darauf, dass politisch verfasste Gemeinschaften ein einigendes Band vor allem durch kollektive Identität bedürfen. Ein solches "Wir-" und Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht nicht zwangsläufig, sondern erst nachdem ein Bedürfnis hierzu durch eine "funktionierende Geschichte" - die erklärt, warum man sich als Gemeinschaft empfinden soll - entwickelt wird. Hier kommt der Erinnerungskultur eine bedeutende Rolle zu, denn solche "funktionierenden Geschichten" werden durch ihre jeweiligen Elemente vermittelt. Als letztere werden vielfältige, zugleich aber auch historisch-kulturell variable Konzepte und Praktiken verstanden, die zu den grundlegenden Formen menschlicher Vergesellschaftung gehören, weil sie diese integrieren, Kohärenz und Legitimation schaffen. Daher sind insbesondere für moderne, weder religiös noch ständisch legitimierte Gesellschaften Erinnerungskulturen von immenser Bedeutung,[2] weil sich durch sie eine als Schicksalsgemeinschaft empfundene soziale Großgruppe selbst darstellen und erklären kann.[3]
Ein wichtiges Element von Erinnerungskulturen sind politische Mythen, weil sie als Sinngeneratoren für eine politisch verfasste Gemeinschaft wirken. Jede soziale Großgruppe besitzt daher ein gewisses Repertoire an politischen Mythen, das im Laufe der gesellschaftlich-politischen Veränderungen den jeweiligen Gegebenheiten entsprechend angepasst wird und je nach gesellschaftlicher Situation besonders aktiviert werden kann. Dieses gilt auch für demokratisch verfasste Gesellschaften, sodass die häufig geäußerte Vorstellung, dass politische Mythen ein Charakteristikum lediglich nicht-demokratisch verfasster Gesellschaften seien, ein Irrtum ist. Wie im Folgenden gezeigt wird, sind "deutsche Mythen" konstitutiv für den "gesellschaftlichen Zusammenhalt" in Deutschland.
Vorweg bleibt anzumerken, dass die Analyse politischer Mythen nicht die einzelnen Ereignisse oder Personen infrage stellt, sondern den narrativen Umgang mit dem behandelten Ereignis oder der verklärten Person und dessen Entwicklung in historischer Perspektive analysiert. Sie hinterfragt diese mythisch interpretierte Narration mit Blick auf die Funktionen für eine Gesellschaft; sie will aber nicht persönliche Schicksale und Gefühle infrage stellen oder gar anprangern. Unter dieser Prämisse folgen nach einer knappen theoretischen Grundlegung Überlegungen zur Entwicklung und dem Wandel "deutscher Mythen". Hierbei wird bewusst auf eine umfangreiche Aufzählung und Darstellung verzichtet. Vielmehr wird anhand jeweils exemplarisch verstandener "deutscher Mythen" versucht, zum Verständnis "deutscher Identität" beizutragen.
Wenn auch im heutigen Sprachgebrauch "Mythos" zahlreich und wenig reflektiert genutzt wird, so ist ein politischer Mythos klar zu definieren. In Abgrenzung zum religiösen, der eine transzendentale Komponente hat, lässt sich "politischer Mythos" als stereotypisiertes, verfestigtes Geschichtsbild und zugleich als emotional konnotierte Narration zur Erklärung der Ursprünge und Gründung einer sozialen Großgruppe definieren.[4] Ein Mythos ist also immer dann ein politischer, wenn er sich auf eine wie auch immer verfasste politische Gemeinschaft bezieht und ihre Entwicklung und ihr Wesen definiert: "Vor der Folie vergangener Erfahrungen erklären politische Mythen damit gegenwärtige und gesellschaftliche Probleme und leiten daraus verbindliche Aussagen und Ziele für die Gemeinschaft ab und (stellen) die ältere und/oder jüngere Vergangenheit selektiv (...) und idealisierend"[5] dar. Da die Vergangenheit somit "mythisch gelesen"[6] wird, beruhen politische Mythen auf einem historischen Kern, verklären aber Ereignisse und Entwicklungen im Sinne der intendierten kommunikativen Ziele.
Hierbei rekurrieren sie auf den "ewigen Kampf zwischen Guten und Bösen",[7] wodurch es zu einer Abgrenzung zwischen dem Eigenen und dem Fremden kommt. Die erinnerten Ereignisse werden stark vereinfacht, auf die jeweilige Botschaft hin zugespitzt und idealisiert, indem sie nicht passende Aspekte ausblenden. Schwer Erklärbares kann so für jeden Angehörigen einer Gemeinschaft klar nachvollziehbar werden - nur so kann die mythische Narration Sinn stiften und Orientierung geben.
Während Erinnerungsorte (lieux de mémoire) vor allem Assoziationen hervorrufen und eine Sammlung durchaus unterschiedlicher nicht zielgerichteter Narrative darstellen, sind politische Mythen "auf das politisch-soziale Geschehen (gemünzt) und (verleihen) diesem Geschehen eine spezifische Bedeutung",[8] woraus sich im Wesentlichen legitimierende, integrierende und Kohärenz vermittelnde Funktionen einerseits, andererseits aber kommunikative und mobilisierende Funktionen ableiten lassen, die im Einzelnen zu kontextualisieren und zu differenzieren sind. Durch die Sinngebungs- und Orientierungsfunktion erleben politische Mythen daher gerade in Phasen gesellschaftlicher Unsicherheit, in Umbruchs- und Krisenphasen, die von gesellschaftlichen Integrations-, Identitäts- und Legitimationsdefiziten begleitet werden, Konjunkturen. Hierbei lässt sich das Mythenrepertoire als gesellschaftliche "Leistungsschau"[9] beschreiben. Dadurch weisen die Botschaften politischer Mythen auf die Befindlichkeiten der in der Gesellschaft regierenden Kräfte hin, denn sie vermitteln nicht nur ein Geschichtsbild, sondern auch Werte und Anschauungen.
Politische Mythen sind wegen ihrer semantischen Struktur wandelbar, sodass ihre Narration an die jeweiligen Verhältnisse angepasst werden kann. Sie bauen auf analogen Grundmustern auf, wobei die genaue inhaltliche Ausgestaltung vom jeweiligen Kontext abhängig ist, um verstanden werden zu können. Denn wenn die Zielgruppe, also die Angehörigen der jeweiligen Gesellschaft, mit dem narrativen Kern nicht vertraut ist, kann der Mythos seine kommunikative und mobilisierende Kraft nicht entfalten. Sie müssen daher fest im kollektiven Gedächtnis verankert werden,[10] indem beispielsweise Denkmäler, politische Symbole (etwa Briefmarken) und Gemälde sie visualisieren, politische Feiern sie ritualisiert umschreiben und sie auf verschiedene Weise und unterschiedlichem intellektuellen Niveau beispielsweise durch Straßennamen, Literatur, Schul- und Geschichtsbücher, aber auch durch Filme narrativ paraphrasiert werden. Sie können ihre Wirkung nur entfalten, wenn sie innerhalb der sozialen Großgruppe unumstritten sind. Hierfür ist es von Bedeutung, dass die Mythenmacher und -förderer die Deutungsmacht innehaben, die wiederum nur von denen ausgeübt werden kann, die politische Führung innehaben. Gegennarrative zur "offiziellen" Narration konnten sich zwar jeweils in der eigenen Gruppe (etwa in der Arbeiterbewegung) etablieren, eine Verankerung im gesamtgesellschaftlichen Mythenrepertoire haben sie jedoch nicht gefunden - sie zeigen aber deutlich, wie kohärent oder gespalten eine Gesellschaft ist.
Entwicklung und Wandel "deutscher Mythen"
"Deutsche Mythen" sind diejenigen, die als sinnstiftende und Orientierung gebende Narration das kollektive Bewusstsein der deutschen Gesellschaft, wie auch immer sie aufgefasst wurde und wird, beeinflussen wollen. Wie in anderen Großgruppen auch, bildet dieses sich ergänzende, teilweise voneinander abhängende narrative Repertoire ein Mosaik, das aufeinander aufbaut. An den unten ausgewählten Beispielen lassen sich wesentliche Sujets, Erzählmuster und Botschaften, aber auch Konjunkturen und Kontinuitäten deutscher Mythen feststellen, welche die "deutsche Identität" beeinflusst haben.
Im Zuge des Entstehens der modernen Nationsgesellschaften erlebten politische Mythen in ganz Europa eine Konjunktur. Sie halfen, den Zusammenbruch des Ancien Régime zu verarbeiten, aber auch die Ablösung der alten Eliten durch neue gesellschaftliche Gruppen und somit die jeweilige Nation zu begründen. Ereignismythen wurden dabei als besondere Leistungen der jeweiligen Gesellschaft verstanden, während der Rückgriff auf Helden die Entwicklung personalisierte.
Aufgrund der Bedeutung der Befreiungskriege waren Mythen über die Antike als Verteidigungsmythen ein wichtiger Topos im 19. Jahrhundert.[11] So bot sich der Rückgriff auf den Cheruskerfürsten Arminius (Hermann) geradezu an: Als Sieger der Varusschlacht gegen die Römer habe er die vaterländische Freiheit verteidigt. Dieses Motiv findet sich etwa bei den ersten Planungen des Detmolder Hermann-Denkmals 1819 wieder. Der Arminius-Mythos wandelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts und verweist so auf die Entwicklung der zugrunde liegenden Nationsidee: Während der rund 60-jährigen Errichtungsphase verschwanden ursprünglich großdeutsche Intentionen zugunsten der ideellen Begründung der Reichsgründung durch Preußen und dessen Führungsrolle im Reich; die Idee einer Verbrüderung der freien Nationen wurde durch ein starkes antifranzösisches Moment ersetzt,[12] das letztlich auch die Vorstellung von der "Erbfeindschaft" zu Frankreich beeinflusste. Bis in die Zeitgeschichte wirkte der Arminius-Mythos: So wurde das Hermann-Denkmal zum "Symbol deutscher Einheit" und Freiheit und visualisierte "Abgrenzung zu äußeren und inneren Feinden".[13]
Eine zentrale Rolle für die Nationswerdung kommt dem Germanen-Mythos im 19. Jahrhundert zu. Er basiert auf einem konstruierten Gegensatz zu Rom, der zu einer Abgrenzung gegenüber Frankreich genutzt wurde - ein Motiv, dessen Entwicklung sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt und das die Ursprünge der "deutschen Nation" erläutert. Dieses Narrativ formulierte 1807/1808 Johann Gottlieb Fichte in seinen "Reden an die deutsche Nation" prägnant und legte die Grundlagen für dessen Weiterentwicklung: Die deutsche Nation habe sich die Ursprünglichkeit der Germanen ("Urvolk") bewahrt, wodurch sie eine besondere Mission erhielten. Der Germanen-Mythos, etwa durch Denkmäler (wie das Niederwalddenkmal der "Germania"), Festumzüge, Literatur und Museen kommuniziert, definierte somit nicht nur das Verständnis von "deutsch", sondern entwickelte sich auch zu der zentralen narrativen Grundlage der völkischen Rasseideologie.[14]
Jedoch bietet sich der Rückgriff auf die nähere Vergangenheit in noch größerem Maße für Gründungserzählungen an. So wurde die Reichsgründung durch die mythische Verklärung des Kriegs von 1870/1871, der letztlich die Befreiungskriege vollendet habe, legitimiert. Daher wurde der Krieg zum "Schauplatz des nationalen Gemeinschaftswerks",[15] wodurch die vorherigen politischen Debatten um eine groß- oder kleindeutsche Staatsbildung ausgeblendet wurden. Dieses Motiv wurde in der Erinnerungskultur verankert, beispielsweise waren die Feiern zum Sedan-Tag ein wichtiges Ritual mit letztlich akklamativem Charakter.
Eng mit diesem Gründungsmythos ist der Mythos von Bismarck als Reichsgründer und "Eiserner Kanzler" verbunden, der sich nach dessen Entlassung 1890 und insbesondere nach dessen Tod zu einem politischen Kult (verstanden als soziale Praxis politischer Mythen[16]) entwickelte. Das Narrativ vom "Erlöser territorialer Zerrissenheit"[17] zeigt einerseits, wie politische Mythen das jeweilige Narrativ abhängig vom Kontext nuanciert darstellen, andererseits, dass der Kampf um die Deutung eines politischen Mythos eben auch ein politischer Kampf um Macht ist: Beim Übergang zur Weimarer Republik wurde der Bismarck-Mythos zu einer "Chiffre für das, was das Deutsche Reich durch einen von ‚inneren Reichsfeinden‘ begangenen ‚Verrat‘ verloren"[18] habe, die sich mit der Vorstellung paarte, dass die einstige Größe Deutschlands nicht dem Parlamentarismus, sondern einem Führer[19] - damals Bismarck - zu verdanken gewesen sei. Gerade die konkurrierenden Debatten um die konservative (ein positiv konnotierter Bismarck-Mythos) und links-liberale (negativ konnotierter Bismarck-Mythos) Deutung machen klar, dass die politische Kultur der Weimarer Republik nicht auf einen erinnerungskulturellen Minimalkonsens bezüglich der Deutung der Vergangenheit und Gegenwart rekurrieren konnte - der "Bürgerkrieg der Erinnerungen und historischen Symbole" unterstreicht die "extreme ideologische Aufspaltung".[20] Insofern gelang es auch nicht, ein Narrativ etwa über die Revolution 1918 gesellschaftlich zu verankern, das der Republik Legitimität verschafft hätte. Die antidemokratische Botschaft des Bismarck-Mythos unterstützte schließlich den nationalsozialistischen Aufstieg, in dem er den Parlamentarismus als nicht-deutsche Staatsform interpretierte und zugleich den Führergedanken stärkte.
Ebenso arbeitete die mythische Verklärung Paul von Hindenburgs als "Sieger von Tannenberg" dem Hitler-Mythos zu. Im Ersten Weltkrieg letztlich als Antwort auf die polnische Verklärung des Sieges über den Deutschen Orden 1410 entstanden, begründete er Hindenburgs Machtfülle. Er erinnerte die nach 1918 gedemütigte deutsche Nation jedoch an ihre (militärische) Stärke und Traditionen, wobei eine Linie zum preußischen Militarismus gezogen werden konnte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme konnte Hitler in eine Linie zu ihm gesetzt werden, was diesen legitimieren sollte.[21]
Im "Hitler-Mythos"[22] wurde die bisherige deutsche Geschichte auf den "Führer" zugespitzt: Durch ihn sei die Entwicklung des "deutschen Volkes" vollendet worden, wodurch seine Machtübernahme 1933 ebenso legitimiert wurde wie die Errichtung des totalitären Regimes und dessen (Kriegs-)Politik; auch sollte die sozial und politisch gespaltene deutsche Nation integriert werden. Er war ein zentraler Baustein der nationalsozialistischen Ideologie, sodass der Kult die politische Kultur des "Dritten Reichs" dominierte - allein durch diese Bezeichnung wurde der "Führer" in eine historische Kontinuität gesetzt. Mit der Kapitulation verschwand der Hitler-Kult jedoch nicht. Er wirkte insofern in der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft nach, als dass "unser Hitler"[23] ambivalent beurteilt wurde - zwar wurden der nationalsozialistische Rassenwahn, die Genozid- und Kriegspolitik als Gründe für die deutsche Katastrophe gesehen, aber "seine Leistungen" wie "Kraft durch Freude", der Autobahnbau, der Wirtschaftsaufschwung und die Vollbeschäftigung wurden von einigen positiv erinnert, wobei die Gründe beziehungsweise der gesellschaftliche "Preis" für diese Maßnahmen ausgeblendet wurden.
Dagegen setzte sich in der DDR unter der Prämisse des "antifaschistischen Widerstands" eine grundsätzlich negative Aufarbeitung des "Hitler-Mythos" durch, der damit letztlich überschrieben wurde: Durch den politischen Mythos des "antifaschistischen Widerstands" sollte die Gesellschaft als gereinigt dargestellt werden. Hierbei war es auch von Bedeutung, dass Hitler nicht nur "einfach" verteufelt wurde, sondern ihm mit Stalin ein positives Gegenbeispiel gegenübergestellt wurde.[24] Die deutsche Teilung brachte insgesamt sich diametral unterscheidende Mythenrepertoires mit sich. Grundlegend war in der DDR das oktroyierte sowjetische Mythennetz, in dem auch von diesem abhängige DDR-Mythen entstanden. Ein "genuiner" DDR-Mythos war in diesem Netz der des "antifaschistischen Schutzwalls", dem auf bundesdeutscher Seite die Vorstellung des "Eisernen Vorhangs" entgegengestellt wurde. Hierdurch betonte das Regime eine herausragende Eigenleistung, den "antifaschistischen Widerstand", dessen Mission sich nach 1945 darauf erstreckte, das Vordringen westlicher Werte und des Kapitalismus zu verhindern.[25] Legitimiert wurde der Aufbau des Sozialismus, also des Regimes, indem dieser Mythos beschrieb, warum die DDR des Sozialismus würdig sei. Zugleich legitimierte er die Teilung und wirkte dem bundesdeutschen Anspruch einer Wiedervereinigung entgegen. Insgesamt wurde das Mythenrepertoire der DDR von der Erzählung sozialistischer Errungenschaften dominiert und aufeinander abgestimmt, sodass entsprechend etwa auch die frühzeilichen Bauernkriege in diese Tradition gesetzt wurden.
Auch die bundesdeutsche Gesellschaft schuf Mythen. Maßgeblich für ihr Selbstverständnis war vor allem der Mythos von der "Stunde Null",[26] der über einen Neuanfang einer gereinigten Gesellschaft berichtete und bis heute das deutsche Selbstverständnis prägt: Dem Bombenkrieg, der bedingungslosen Kapitulation und der alliierten Besetzung kamen dabei kathartische Wirkung zu. Als Gründungsmythos legitimierte er die Existenz der Bundesrepublik und blendete aus, dass dieser Neuanfang tatsächlich aus umfangreichen Kontinuitäten bestand. Nach dem wirtschaftlichen Aufschwung wurde er durch denjenigen vom "Wirtschaftswunder" ergänzt, der die Gesellschaft darin bestätigte, auf dem richtigen Weg zu sein.[27] Komplementär ist der Mythos "Vertreibung", der ein "Ersatzmodell(e) für eine eher indirekte NS-Aufarbeitung"[28] ist und die Entwicklung der bundesdeutschen Erinnerungskultur bis in die Gegenwart beeinflusste. Dieses kathartische Narrativ, eine "Konstruktion kollektiver Unschuld",[29] reagierte auf die Befindlichkeiten der vom Krieg traumatisierten bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft, in welche die Vertriebenen integriert werden mussten, und legitimierte die im Grundgesetz verankerten Ansprüche auf die verlorenen "deutschen Ostgebiete" und die Politik der Nichtanerkennung Polens. Daher wurde der öffentliche Raum intensiv, beispielsweise durch Straßennamen, die an die verlorenen Ostgebiete und deren Städte erinnern, durch "Heimatstuben", "Tage der Heimat" und im Geschichtsunterricht besetzt.[30] Die erbittert geführten kontroversen Debatten um das geplante "Zentrum gegen Vertreibung", aber auch die vielfältigen Besprechungen zum zweiteiligen Fernsehfilm "Die Flucht" (2007) lassen dies immer noch erkennen, aber ebenso, dass der Konsens über das Narrativ allmählich erodiert und seine Fundierung im kollektiven Gedächtnis schwindet.
Alte Mythen neu interpretieren?
"Deutsche Mythen" entwickelten sich in Phasen, in denen die "Deutschen" Zäsuren zu bewältigen hatten und zu einer kohärenten Gemeinschaft integriert werden mussten. Sie sollten über ihre Ursprünge "aufklären" und so die jeweiligen nationalen Bestrebungen beziehungsweise politischen Systeme rechtfertigen, aber zugleich gemeinsame Werte und Haltungen erzeugen. Aber wie auf der europäischen Ebene auch, wirkt heute keine wirklich "funktionierende Geschichte" in der deutschen Gesellschaft. Eine "gründungsmythische Neufundierung der Republik"[31], also die Legitimierung der Wiedervereinigung und die nachfolgenden Maßnahmen zur Integration der "neuen" Bundesländer durch eigene Mythen, unterblieb jedoch beziehungsweise ist gegenwärtig nicht zu erkennen. Der 9. November, der Tag des "Falls der Mauer", scheint dafür disqualifiziert, weil er auch der Jahrestag der Reichspogromnacht und des Hitler-Putschs 1923 ist. Es herrscht auch ein "weitgehendes Desinteresse an der ‚ostdeutschen Selbstbefreiung‘ vor",[32] und schließlich würde die ehemalige DDR-Bevölkerung die Deutungshoheit über diesen Gründungsakt erhalten, während die Bundesdeutschen "Zuschauer"[33] würden - was der aktiven Integrationspolitik der "alten" Bundesrepublik widersprechen würde. Ging das offizielle DDR-Mythenrepertoire mit dem Staat unter, existieren durchaus noch Relikte in dem kollektiven Gedächtnis ihrer Bevölkerung. Dagegen verloren die "Bonner" Mythen durch die politische Entwicklung und die Ablösung des Symbols des "Wirtschaftswunders" durch den Euro immer mehr Verankerung im kollektiven Gedächtnis. Die gegenwärtige Gesellschaft ist also lediglich mit einem spärlichen, erodierenden Mythenrepertoire ausgestattet, das auf die "alten" Mythen des geteilten Deutschlands rekurriert und nicht die gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen berücksichtigt. Stattdessen haben (vorübergehend) Schlagzeilen wie "Wir sind Papst" zumindest zeitweise identitätsstiftende Funktionen übernommen. Dass sie in zukünftigen gesellschaftlichen Krisen- und Umbruchsituationen die Sinngebungs- und Orientierungsfunktion von "deutschen Mythen" tatsächlich auffangen können, scheint höchst zweifelhaft - wahrscheinlicher ist, dass in solchen Phasen alte Mythen neu interpretiert werden.
Fußnoten
1.Rheinische Post vom 30.1.2013.
2.Vgl. Astrid Erll, Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen, Stuttgart-Weimar 2005, S. 34; Mathias Berek, Kollektives Gedächtnis und die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, Wiesbaden 2009, S. 184.
3.Vgl. Heidi Hein-Kircher, Zur "mythischen Lesart der Wirklichkeit", in: Hans Henning Hahn/Robert Traba (Hrsg.), Deutsch-polnische Erinnerungsorte, Bd. 4: Reflexionen, Paderborn (i.E. 2013), S. 133-143.
4.Vgl. Heidi Hein-Kircher, Überlegungen zu einer Typologisierung von politischen Mythen aus historiographischer Sicht - ein Versuch, in: dies./Hans Henning Hahn (Hrsg.), Politische Mythen im 19. und 20. Jahrhundert in Mittel- und Osteuropa, Marburg 2006, S. 424.
5.Dies. (Anm. 3).
6.Jean Poullion, Die mythische Funktion, in: Claude Lévi-Strauss (Hrsg.), Mythos ohne Illusion, Frankfurt/M. 1984, S. 69.
7.Yves Bizeul, Theorien der politischen Mythen, in: ders. (Hrsg.), Politische Mythen und Rituale in Deutschland, Frankreich und Polen, Berlin 2000, S. 17.
8.Frank Becker, Begriff und Bedeutung des politischen Mythos, in: Barbara Stollberg-Rilinger (Hrsg.), Was heißt Kulturgeschichte des Politischen?, Berlin 2005, S. 131.
9.H. Hein-Kircher (Anm. 4), S. 409.
10.Vgl. dies., Historische Mythos- und Kultforschung, in: Mythos, 2 (2006), S. 38-41.
11.Vgl. Holger Löttel, "Märtyrer der Freiheit". Antikemythen in den europäischen Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts, in: Lippisches Landesmuseum (Hrsg.), 200 Jahre Varusschlacht, Borken 2006, S. 155-163.
12.Vgl. Dirk Mellies, "Symbol deutscher Einheit", in: ebd., S. 222.
13.Ebd.
14.Vgl. Rainer Kipper, Vorfahren als Vorbilder, in: ebd., S. 210-216; Ingo Wiwjorra, Der völkische Germanenmythos als Konsequenz deutscher Altertumsforschung des 19. Jahrhunderts, in: H. Hein-Kircher/H. Henning Hahn (Anm. 4), S. 157-166.
15.Nikolaus Buschmann, "Im Kanonenfeuer müssen die Stämme Deutschlands zusammen geschmolzen werden", in: ders./Dieter Langewiesche (Hrsg.), Der Krieg in den Gründungsmythen europäischer Nationen und der USA, Frankfurt/M.-New York 2003, S. 115.
16.Vgl. Heidi Hein-Kircher, Politische Mythen, in: APuZ, (2007) 11, S. 29.
17.Robert Gerwarth, Der Bismarck-Mythos, München 2007, S. 11.
18.Ebd.
19.Vgl. zum Führergedanken: Heidi Hein-Kircher, Führerkult und Führermythos, in: dies./Benno Ennker (Hrsg.), Der Führer im Europa des 20. Jahrhunderts, Marburg 2010, S. 3-27.
20.Ebd., S. 14.
21.Vgl. Jesco von Hoegen, Der Hindenburg-Mythos, in: Mythos, (2011) 3, S. 106-124.
22.Ian Kershaw, Der Hitler-Mythos: Führerkult und Volksmeinung, Stuttgart 1999.
23.Marcel Atze, "Unser Hitler". Der Hitler-Mythos im Spiegel der deutschsprachigen Literatur nach 1945, Göttingen 2003.
24.Vgl. Alexei Tikhomirov, The Stalin Cult between Center and Periphery: the Structures of the Cult Community in the Empire of Socialism, 1949-1956 - the Case of GDR, in: H. Hein-Kircher/B. Ennker (Anm. 19), S. 297-324.
25.Vgl. Herfried Münkler, Die Deutschen und ihre Mythen, Berlin 2009³, S. 421-426.
26.Beispielhaft für Hamburg: Malte Thiessen: Mythos und städtisches Selbstbild, in: H. Hein-Kircher/H. Henning Hahn (Anm. 4), S. 107-123.
27.Vgl. H. Münkler (Anm. 25), S. 468ff.
28.Hans Henning Hahn/Eva Hahn, Mythos Vertreibung, in: H. Hein-Kircher/ders. (Anm. 4), S. 180.
29.Ebd.
30.Vgl. ebd., S. 188.
31.H. Münkler (Anm. 25), S. 478.
32.Konrad H. Jarausch, Der Umbruch 1989/90, in: Martin Sabrow (Hrsg.), Erinnerungsorte der DDR, München 2009, S. 526.
33.H. Münkler (Anm. 25), S. 479.
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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Heidi Hein-Kircher für bpb.de
Die Meistererzählung von der deutsch-französischen "Versöhnung", ein Artikel von Corine Defrance, 19.12.2012
Nachdem der Europäischen Union 2012 der Friedensnobelpreis für ihren Beitrag zu Frieden, Versöhnung und Demokratie auf dem Kontinent zugesprochen worden ist, sollte noch einmal nach dem Versöhnungsprozess gefragt werden, der dieses Europa erst ermöglicht hat und durch dessen Entstehung er noch gefestigt wurde. Die deutsch-französische Annäherung steht historisch betrachtet im Zentrum dieser beiden miteinander verschränkten Entwicklungen, und es ist gewiss kein Zufall, dass die EU den Nobelpreis mitten im "Deutsch-Französischen Jahr" 2012/2013 erhalten hat, in dem Franzosen und Deutsche offiziell den 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags, ihrer "Versöhnung" und "Freundschaft" feiern.
Wenngleich die Stationen, Akteure und Ausdrucksformen dieser Annäherung heute hinlänglich bekannt sind, bleibt doch nach dem Aufbau des Versöhnungsnarrativs zu fragen. Wer waren die "Autoren", welches die Strukturen und Ziele, die Grenzen, ja die Gefahren? Längst ist die Aussöhnung im Diskurs über die deutsch-französischen Beziehungen unerlässlich geworden; doch sie läuft Gefahr, sich zu einem Störfaktor zu entwickeln - so sehr wird diese "Erfolgsgeschichte", dieser neue Mythos der "Erbfreunde" zuweilen als Modell und einer der besten Exportartikel der deutsch-französischen Geschichte herausgestellt. Selbst der deutsch-französische Politikwissenschaftler Alfred Grosser, der sich gegen den Begriff der Versöhnung sträubt, erinnert daran, "dass wir ein Vorbild abgeben" für andere verfeindete Volksgruppen.[1]
Trotz der realen Grundlagen der Annäherung, der Verständigung und der Kooperation ist die deutsch-französische Versöhnung ein Mythos, insofern als sie eine erzählerische Fiktion ist, eine "Meistererzählung", welche die Wirklichkeit inszeniert. Sie ist zum einen ein Konstrukt, das bei der Auflösung des alten und antagonistischen Mythos vom "Erbfeind" ansetzt.[2] Zum anderen ist sie sehr zeitgenössisch und beruht auf einem Epos und symbolischen Orten. Zudem ist sie sinnstiftend, soll die "Versöhnung" nach dem absoluten Tiefpunkt von Gewalt und Verbrechen doch den Beginn einer neuen europäischen, von Friedenskonsolidierung geprägten Ordnung markieren. Und schließlich ist sie symbolträchtig, gab es doch einen historischen Präzedenzfall: die Aussöhnung in der Zwischenkriegszeit. 1926 erhielten die Außenminister Aristide Briand und Gustav Stresemann für ihre Verdienste um die Unterzeichnung der Verträge von Locarno und die deutsch-französische Aussöhnung gemeinsam den Friedensnobelpreis. Der Ausgang ist bekannt. Wie also war es nach dem Zweiten Weltkrieg möglich, eine neue Versöhnungsgeschichte zu schreiben, die den Fehlschlag der Zwischenkriegsjahre vergessen ließ?
Nach einer Analyse der Konstruktion der Versöhnungsgeschichte und ihrer heutigen Ausdrucksformen werde ich im Folgenden verschiedene Versuche darstellen, den Versöhnungsmythos zu dekonstruieren. Sie belegen eine Form von Verdrossenheit gegenüber einem institutionalisierten Diskurs. Es stellt sich schließlich die Frage, wie die Symbolik der deutsch-französischen Aussöhnung erneuert werden kann.
Mythenbildung mit dem Élysée-Vertrag im Zentrum
Kurz bevor der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy am 28. Oktober 2009 Bundeskanzlerin Angela Merkel in Paris zu den Gedenkfeierlichkeiten zum Tag des Waffenstillstandes am 11. November 1918 empfing, erklärte er, künftig "einen Tag der deutsch-französischen Aussöhnung, Verständigung und des deutsch-französischen Projektes zum Aufbau einer gemeinsamen Zukunft" begehen zu wollen.[3] Das Datum, das der Präsident wählte, überraschte. Denn seit den Festlichkeiten zum 40. Jahrestag des Élysée-Vertrags gibt es einen offiziellen "Deutsch-Französischen Tag": den 22. Januar - der Tag, an dem 1963 im "Salon Murat" des Élysée-Palasts der Vertrag unterzeichnet wurde.
Seinen größten symbolischen Ausdruck fand der Versöhnungsmythos bislang in der 40-Jahr-Feier des Vertrags am 22. Januar 2003 in Versailles - so wie Gedenkfeiern überhaupt einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung nationaler, wenn nicht gar grenzüberschreitender Mythen haben. Nach einer Phase politischer Turbulenzen nahmen die Verantwortlichen in Frankreich und Deutschland den Jahrestag zum Anlass, vor dem Hintergrund der drohenden US-Militärintervention im Irak ihre neue Solidarität zur Schau zu stellen. Die Inszenierung dieses Tages - die Wahl der Akteure und des Ortes, der protokollarische Ablauf, der Inhalt der Reden - war der Höhepunkt einer Erzählung, die zu Beginn der 1960er Jahre ihren Anfang genommen hatte.
Die Gedenkfeier zum 40. Jahrestag bot die Chance, die Zusammenarbeit zwischen den Parlamentariern als Volksvertreter zu betonen. Eingangs erklärten sie: "Die deutschen und französischen Abgeordneten würdigen General de Gaulle und Kanzler Konrad Adenauer, die die historische Chance einer deutsch-französischen Aussöhnung als unverzichtbare Etappe auf dem Weg zu einem vereinten Europa ergriffen haben."[4] Die beiden Präsidenten von Bundestag und Nationalversammlung, Wolfgang Thierse und Jean-Louis Debré, sprachen zwar ebenso wie Staatspräsident Jacques Chirac und Kanzler Gerhard Schröder von "Versöhnung", aber mit unterschiedlichem Tenor.
Folgte man den beiden Franzosen, gründete die Aussöhnung auf dem Willen de Gaulles und Adenauers und begann mit der Vertragsunterzeichnung 1963; Thierse und Schröder hingegen nahmen auch Bezug auf Robert Schuman, Jean Monnet und die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Der Aussöhnungsprozess habe demnach schon zu Beginn der 1950er Jahre begonnen und sich nicht auf die Ebene der Staats- und Regierungschefs beschränkt: Thierse dankte ausdrücklich den Akteuren der Zivilgesellschaft; Schröder führte eine große Zahl von Mittlern der deutsch-französischen Beziehungen an und würdigte die Arbeit "von unten", indem er die Städtepartnerschaften und den Jugendaustausch hervorhob, die "schon vor dem Élysée-Vertrag existierten". Die deutschen Politiker unterstrichen, wie sehr sich die verschiedenen Akteure der - staatlichen und gesellschaftlichen - bilateralen Beziehungen ergänzten.
Alle Redner setzten sich mit der Wahl von Versailles als Ort der Feierlichkeiten zum Jahrestag des Élysée-Vertrags auseinander. Präsident Chirac wies ausdrücklich auf den zweifachen historischen Bezugspunkt hin - die Ausrufung des Deutschen Kaiserreichs 1871 und den Friedensvertrag von Versailles 1919: "Fortan symbolisiert Versailles (...) die Verbundenheit zwischen Deutschland und Frankreich und, darüber hinaus, unseres gesamten Kontinents." Auf diese Weise wurde der Ort der doppelten Erinnerung - Symbol einer zweifachen Demütigung und Quelle des Hasses - zu einem gemeinsamen, positiven Ort umgewidmet.[5] Der Wandel der Erinnerung war vollzogen. Auch Schröder interpretierte Versailles als Symbol für die Zukunft und als Ausdruck grundlegender Werte: "Versailles, das ist auch der Ort, der in unserer Erinnerung stets mit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 verbunden bleiben wird" - Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit als "das Fundament und Modell" des aufzubauenden Europas.
Etappen der Mythenbildung
Auch wenn der Élysée-Vertrag gemeinhin als "Versöhnungsvertrag" bezeichnet wird, handelt es sich doch offiziell um einen "Kooperationsvertrag". Der Begriff der "Versöhnung" (réconciliation) taucht darin nicht auf und wird nur ein einziges Mal in der gemeinsamen Erklärung von de Gaulle und Adenauer erwähnt. Ohnehin war der Begriff zu Beginn der 1960er Jahre noch nicht sehr verbreitet. Er wurde in den 1950er Jahren zwar von zivilgesellschaftlichen Akteuren verwendet, kam in der Diplomatensprache aber erst gegen Ende der 1950er Jahre auf.[6]
Am 22. Januar 1963 unterzeichneten de Gaulle und Adenauer den Élysée-Vertrag und umarmten sich vor Mitgliedern ihrer Regierungen und einigen Fotografen. Hier endete die Inszenierung. Einige Monate zuvor, im Juli und September 1962, hatten die beiden gegenseitigen Staatsbesuche jedoch Gelegenheit für beeindruckende Symbolpolitik geboten. Mit der Messe in der Kathedrale von Reims, so de Gaulle, hätten Adenauer und er am 8. Juli "die Versöhnung besiegelt" ("sceller la réconciliation") - ein Satz, den er in eine marmorne Bodenplatte auf dem Vorplatz der Kathedrale eingravieren ließ. Zum 50. Jahrestag des Treffens im Juli 2012 wurde gar eine zweite Tafel mit der deutschen Übersetzung von de Gaulles Worten enthüllt. Auch unter dem neuen Tandem Merkel-Hollande bleibt die Versöhnung somit in die deutsch-französischen Feierlichkeiten "in Stein gemeißelt".
Dem Vertragsschluss war also zu Beginn der 1960er Jahre eine politische Inszenierung vorausgegangen, galt es doch, Emotionen zu wecken und sich der Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zu versichern, um sich in diesem Sinne zu binden. Der Festakt am 22. Januar 1963 war, verglichen mit dem von Reims im Juli 1962, von großer Nüchternheit. Dies ist zweifelsohne darauf zurückzuführen, dass das Dokument lange Zeit nur ein Protokoll sein sollte und seine Unterzeichnung teilweise improvisiert war.[7] Zudem ging es darum, Parallelen zwischen den Verträgen von Locarno und dem Élysée-Vertrag zu vermeiden, aber auch zwischen dem Tandem Briand-Stresemann, das in den Köpfen immer noch sehr präsent war, und de Gaulle und Adenauer. Auch in seinen Memoiren bezog sich Charles de Gaulle später nur ein einziges Mal auf Aristide Briand und ging auf Stresemann gar nicht ein; Adenauer nannte Briand und Stresemann in seinen Erinnerungen ebenfalls nur einmal: Im Verlauf eines im August 1954 mit (dem französischen Ministerpräsidenten) Pierre Mendès France geführten Gespräches über die ungewisse Zukunft der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft merkte er an, dass einige ein Scheitern gewiss in die Kette der misslungenen Annäherungsversuche seit Briand und Stresemann einreihen würden.[8]
Nach der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags verbreitete sich der Begriff der "Versöhnung" immer weiter. Aber erst mit dem zehnten Jahrestag nahm der Mythos in Frankreich allmählich seine bekannte Gestalt an: dass nämlich alles mit de Gaulle und Adenauer begonnen habe und die deutsch-französischen Beziehungen seit 1963 ausgezeichnet seien.
Eine neue Dynamik erhielt die Versöhnungssymbolik, als sich François Mitterrand und Helmut Kohl am 22. September 1984 vor dem Beinhaus von Douaumont die Hände reichten und - in meisterhafter Inszenierung - eine gemeinsame Erinnerung an den Grande Guerre, den Ersten Weltkrieg, schufen;[9] das Bild ging um die Welt. Die beiden Staatsmänner zeigten, dass ihre Länder sich von nun an der gemeinsamen schmerzhaften Vergangenheit stellen konnten - und dass die Erinnerung an diese Vergangenheit, die beide Seiten lange Zeit entzweit hatte, im Begriff war, zu einer gemeinsamen Erinnerung zu werden, die sie verbindet.
Versöhnung und Erinnerung: Welcher Geschichte gedenken?
Bis zum Zeitpunkt des Festakts in Versailles im Jahre 2003 waren Reims und Verdun die zwei zentralen Orte in der Geschichte der Beziehungen beider Länder. Beide Städte waren mit Karl dem Großen verbunden und erinnerten an die deutsch-französische Feindschaft im 19. und 20. Jahrhundert: Reims war während des deutsch-französischen Krieges von 1870/1871 besetzt und im Ersten Weltkrieg zur Märtyrer-Stadt geworden; Verdun war das Sinnbild des Grande Guerre und der Leidensgemeinschaft. Beide Völker, die einander geschichtlich eng verbunden waren, hatten sich gegenseitig auch verwundet, und so ging es den staatlichen Repräsentanten darum, die Erinnerungen des einstigen Gegners und seine Erinnerungsorte zu würdigen und auf diese Weise die Grenzen der Nationalgeschichten zu überwinden.[10] Der Erste Weltkrieg wurde allmählich zu einem Knotenpunkt der "gemeinsamen Geschichte".
Nicolas Sarkozy und Angela Merkel sind dem von ihren Vorgängern eingeschlagenen Weg gefolgt, wenn sie auch einen anderen Ort wählten und am 11. November 2009 am Grab des unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen in Paris zusammenkamen. Indes war es das erste Mal, dass ein(e) deutsche(r) Regierungschef(in) an der Gedenkfeier zum Tag des Waffenstillstandes teilnahm. Zwar hatte Chirac 1998 Schröder eingeladen, ihn zu begleiten; der Bundeskanzler hatte die Einladung aber ausgeschlagen. Anders als Verdun, das sich 1984 als Ort für eine gemeinsame Totenehrung eignete, standen der 11. November und das Grab des unbekannten Soldaten am Triumphbogen für den Sieg der Alliierten und Frankreichs und die Niederlage Deutschlands; zwei einander zuwiderlaufende Erinnerungen - trotz der Gedenkfeiern zum Ende der Kämpfe.
Wenngleich zum Ersten Weltkrieg wegen der gemeinsamen Verantwortung der Mächte seit beinahe 30 Jahren ein gemeinsames Gedenken möglich ist, scheinen doch die Wunden der Erinnerung an die Dramatik und Asymmetrie der Kriegsereignisse lange Zeit verschwiegen worden zu sein, um eine Annäherung beider Länder nicht zu behindern. Versöhnung setzt also Reue und eine Form von Vergebung voraus.
De Gaulles Bereitschaft zu verzeihen, entsprach seiner Vorstellung von einer asymmetrischen Beziehung, auf der seine Deutschland-Politik beruhte. Anfang 1960 vertraute der General seinem Minister Alain Peyrefitte an: "Es gibt keinen außer mir, der Frankreich und Deutschland versöhnen könnte, da nur ich Deutschland aus seiner Schande wieder aufrichten kann."[11] Die Aussöhnung ist also ein Prozess, der verschiedene Stationen durchläuft, und eine Abstufung in der Fülle von Erinnerungsmöglichkeiten.
Der Zweite Weltkrieg wurde zunächst nur andeutungsweise und in "steriler" Weise in das offizielle Gedenken eingeschrieben. Selbst die Wahl von Reims als Ort für das Treffen von 1962 verwies auf die bedingungslose Kapitulation Nazideutschlands. 22 Jahre später, in Verdun, bezogen Kohl und Mitterrand auch die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkrieges in die Ehrung ein. Doch der Ort war so untrennbar mit dem Ersten Weltkrieg verbunden, dass diese Botschaft kein Gehör fand. Den Wendepunkt in der offiziellen Gedenkpolitik markierten fraglos die Feiern zum 60. Jahrestag der Landung der Alliierten in Caen im Juni 2004, bei denen Bundeskanzler Schröder an der Seite des französischen Präsidenten Chirac saß. Allerdings blieben bei diesem gemeinsamen Gedenken die schmerzhaftesten Kapitel des Zweiten Weltkriegs wie das Massaker von Oradour-sur-Glane vom 10. Juni 1944 oder die Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager ausgespart.
Fußt die Versöhnung also auf Vergessen? Die Antwort ist kompliziert und hängt auch davon ab, wer sich erinnert. Sicher waren die Regierenden der Ansicht, dass die Rückbesinnung auf die dunkelsten Seiten der Geschichte den Aufbau einer engen Kooperation stören könnte, und sie haben es daher über viele Jahre hinweg vermieden, die Vergangenheit öffentlich zu thematisieren.[12] Gleichwohl haben Paris und Bonn nach langen, harten Verhandlungen im Juli 1960 - also noch vor der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags - ein Wiedergutmachungsabkommen für die französischen Opfer des Nationalsozialismus geschlossen.[13] Die Anerkennung der Leiden der Opfer war Ende der 1950er und in den 1960er Jahre jedoch begleitet von einer wachsenden Nachsicht der französischen Justiz gegenüber deutschen Kriegsverbrechern, die ihre Taten in Frankreich verübt hatten.[14] Lange Zeit waren es in erster Linie ehemalige Résistance-Mitglieder und Überlebende der Lager, die dazu beitrugen, eine Entschädigung der Opfer des Nationalsozialismus und später die Verfolgung von NS-Verbrechern vor deutschen und französischen Gerichten durchzusetzen. Mit den Prozessen gegen Klaus Barbie (1986), Paul Touvier (1994) und Maurice Papon (1998) kehrte an der Wende von den 1980er zu den 1990er Jahren die Erinnerung an die dunklen Jahre der Besatzung mit den Schrecken des NS-Terrors, der Miliz und der Kollaboration zurück. Die Verbrechen der Vergangenheit waren durch die "Aussöhnung" also nicht in Vergessenheit geraten.
Offensichtlich muss unterschieden werden zwischen der offiziellen Erinnerung, die von den Regierenden getragen wird, und den lebendigen Erinnerungen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen: von Mitgliedern der Résistance, von deportierten Juden, Zwangsarbeitern, Veteranen und anderen. Diese Gruppen haben wesentlich dazu beigetragen, dass die schmerzliche Vergangenheit in den Medien thematisiert wurde, die Justiz sich ihrer annahm und sie nach und nach Aufnahme in die offizielle Meistererzählung fand. Dazu beigetragen haben auch französische und deutsche Historiker, die seit Kriegsende Geschichtsunterricht und Lehrbücher überprüften; die Erinnerung wurde aber auch durch das Kino oder die Literatur transportiert. Die Gewalt und die Leiden der Kriegsjahre sind nicht vergessen worden. Es ist diese Kluft zwischen der Vielzahl und der Komplexität der kollektiven Erinnerungen und dem eindimensionalen, belehrenden offiziellen Gedächtnis, die dazu geführt hat, dass der Versöhnungsmythos heute infrage gestellt wird.
Herausforderung des Versöhnungsmythos
Der Historiker Joseph Rovan hat den Zweiten Weltkrieg als einen europäischen Bürgerkrieg interpretiert und nicht als einen Krieg von Nationen, die (in diesem Fall Frankreich und Deutschland) einander feindlich gegenüberstehen[15] - eine Interpretation, die von Nicolas Sarkozy in seiner Rede vom 11. November 2009 übernommen wurde.[16] Rovan betonte, wie wichtig die Erfahrungen der deportierten Résistance-Kämpfer in den Konzentrationslagern seien, um zu verstehen, dass die ersten Opfer des nationalsozialistischen Regimes deutsche Demokraten gewesen waren. Nach einer solchen Auseinandersetzung konnte die Versöhnung nicht im nationalen Rahmen erfolgen. Alfred Grosser teilte Rovans Standpunkt und seine Argumentation. Diesen beiden Franzosen deutscher Herkunft, deren Familien vor dem Nationalsozialismus geflohen waren, ging es nicht um Versöhnung, sondern um Gerechtigkeit, Verstehen und Mitverantwortung. Grosser fasste das Handeln all der Wegbereiter einer Politik der ausgestreckten Hand in der unmittelbaren Nachkriegszeit so zusammen: "Wir stützten uns nicht auf eine Versöhnungsutopie. Wir glaubten, dass eine Verwirklichung von Moral nicht wirkungslos wäre."[17]
Auch Historiker und Vertreter der Zivilgesellschaft, die in der deutsch-französischen Zusammenarbeit engagiert sind, üben seit Langem Kritik am Mythos der deutsch-französischen Versöhnung, die 1963 mit der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages begonnen habe. Denn diese Interpretation überdeckt die Arbeit, die von der Zivilgesellschaft bereits in den Jahren zwischen Kriegsende und Vertragsunterzeichnung geleistet worden ist. Die historische Forschung hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt mit den Initiativen befasst, die von der Zivilgesellschaft ausgingen und die eine wesentliche Rolle - ja häufig eine Vorreiterrolle - im Prozess der deutsch-französischen Annäherung gespielt haben.[18]
Wenn der frühere Präsident der Fédération des Associations Franco-Allemandes pour l'Europe (FAFA) den öffentlichen Diskurs beharrlich kritisierte, tat er dies also durchaus berechtigt. Er riskierte dabei allerdings, einen neuen "versöhnlerischen" Mythos zu schaffen: "Diejenigen, die - ob unwissentlich oder wissentlich - die deutsch-französische Kooperation mit dem Élysée-Vertrag 1963 höher einstuften, haben sich nicht nur im Datum vertan: Sie verfälschten auch den tiefen Willen zur Versöhnung und Freundschaft, der seit dem Kriegsende 1945 von beiden Völkern geäußert wurde, die sich gegenseitig als Opfer des gleichen verbrecherischen Wahnsinns erkannt hatten."[19] Damit überschätzte er den Wunsch nach Versöhnung in der unmittelbaren Nachkriegszeit jedoch erheblich und kam zu einem in der Nachschau allzu optimistischen Urteil. 1945 ging es nicht um "Versöhnung", sondern um Verstehen und unter Umständen um Annäherung. Es ist daran zu erinnern, dass das Bild des Nachbarn in der öffentlichen Meinung niemals zuvor so negativ war wie 1945.
Kritik an "privilegierten" deutsch-französischen Beziehungen
Peter Sloterdijks "Bemerkungen zu den deutsch-französischen Beziehungen"[20] sind aus dem Blickwinkel derjenigen geschrieben, die im heutigen Europa eine Normalisierung, ja eine Banalisierung der deutsch-französischen Beziehungen erkennen wollen - ein Schluss, zu dem kürzlich auch der französische Historiker Pierre Nora kam.[21] Indem er die beiden vergangenen Jahrhunderte seit Napoleon umspannt, möchte Sloterdijk zeigen, wie Frankreich und Deutschland - ermüdet von der Maßlosigkeit ihrer Auseinandersetzung - der Leidenschaft entsagen wollten. Durch Gleichgültigkeit hätten beide Länder den Weg der Befriedung finden wollen. So interpretiert er das Treffen zwischen de Gaulle und Adenauer in Reims 1962 als den Moment der einvernehmlichen Scheidung zwischen beiden Ländern. Der Philosoph beschwört eine endgültige Entfremdung und ein gegenseitiges Unverständnis herauf, sowohl in kultureller als auch in psychopolitischer Hinsicht, diplomatisch verschleiert durch die Freundschaft zwischen den Völkern.
Seit den 1980er Jahren scheint ein gewisses freundschaftliches Desinteresse in Bezug auf die jeweils andere Gesellschaft heraufzuziehen. Allerdings haben sich beide Gesellschaften seit der unmittelbaren Nachkriegszeit einander stark angenähert: Die Beziehungen und der Austausch waren noch nie so vielschichtig; das Bild des Nachbarn ist positiv und spiegelt gegenseitiges Vertrauen und eine große Übereinstimmung der Werte wider. Um seinen Standpunkt zu rechtfertigen, ist Sloterdijk gezwungen, diese Entwicklung zu ignorieren - doch seine bewusst provokante These veranschaulicht gleichwohl die wachsende Distanz, hervorgerufen durch das Überengagement von Politikern und Mittlern und die Selbstbeweihräucherung in den deutsch-französischen Beziehungen.
Wenngleich de Gaulle und Adenauer ihre Inszenierung der Aussöhnung in Reims gelungen ist und Kohl und Mitterrand sie in Verdun erfolgreich erneuert haben, stellt die Aufrechterhaltung der Erinnerung an die Versöhnung doch stets eine neue Herausforderung dar. Die Kritik ist im Laufe der Jahre lauter geworden, weil der Versöhnungsmythos mit Blick auf Adenauer, de Gaulle und den Élysée-Vertrag zu einem Dogma zu werden beginnt. Im Januar 2003 hat Bundeskanzler Schröder begonnen, den Faden der Versöhnungsgeschichte fortzuspinnen, indem er andere Darstellungen einbezog, insbesondere die der zivilgesellschaftlichen Akteure. Er versuchte auch, wieder mehr Emotionen zu wecken, indem er persönliche Erinnerungen zur Sprache brachte und einige Verse aus dem Chanson "Göttingen" zitierte - einem Sinnbild der bilateralen Beziehungen von der Sängerin Barbara aus dem Jahre 1964.
Mit seinem Vorschlag, den 11. November - neben oder anstelle des 22. Januar - zum Tag der deutsch-französischen Versöhnung zu machen, versuchte Präsident Sarkozy im Herbst 2009 den Bezug zum Élysée-Vertrag von 1963 zu lösen und so den Versöhnungsmythos neu zu begründen. Es fragt sich nur, ob der Drang, einen Erinnerungsbruch herbeizuführen, nicht am Ende die Geschichte verwischt. Ein gemeinsames Gedenken an einem Tag der Versöhnung hätte die Gefahr heraufbeschworen, dass die Erinnerung den Blick auf die Geschichte verstellt. So ist es nicht verwunderlich, dass das Projekt aufgegeben wurde. Es darf mit Spannung erwartet werden, wie Angela Merkel und François Hollande den Festakt zum 50. Jahrestag des Vertragsschlusses begleiten werden.
Fußnoten
1.Alfred Grosser, France-Allemagne, la vertu agissante d'une morale, in: CERAS - Projet, September 2004; online: »http://www.ceras-projet.com/index.php?id=2629« (23.11.2012).
2.Vgl. Michael Jeismann, Das Vaterland der Feinde. Studien zum nationalen Feindbegriff und Selbstverständnis in Deutschland und Frankreich 1792-1918, Stuttgart 1992.
3.Arnaud Leparmentier/Marion van Tenterghem, M. Sarkozy et Mme Merkel en quête de mémoire, in: Le Monde vom 11.11.2009, S. 9.
4.Die Texte der Erklärung und der anderen Reden sind auf der Website der Französischen Nationalversammlung dokumentiert: »www.assemblee-nationale.fr/12/dossiers/assemblee-bundestag.asp« (23.11.2012).
5.Vgl. Robert Frank, Le traité de l'Élysée: un lieu de mémoire franco-allemand?, in: Corine Defrance/Ulrich Pfeil (éds.), La France, l'Allemagne et le traité de l'Élysée, 1963-2013, Paris 2012, S. 397-413.
6.Vgl. Ulrich Lappenküper, Die deutsch-französischen Beziehungen 1949-1963. Von der "Erbfeindschaft" zur "Entente élémentaire", München 2000, S. 1708.
7.Vgl. Corine Defrance/Ulrich Pfeil, Deutsch-Französische Geschichte, Bd. 10: Eine Nachkriegsgeschichte in Europa, Darmstadt 2011, S. 109-114.8.Vgl. Konrad Adenauer, Erinnerungen, Bd. 2, Stuttgart 1966, S. 28
8. Erst 1988 erwähnte Helmut Kohl Briand und Stresemann. Schröder und Merkel griffen dies wieder auf, um die deutsch-französische "Versöhnung" in eine Traditionslinie zu stellen (Reden am 22. Januar 2003 bzw. am 11. November 2009).
9.Vgl. Ulrich Pfeil, Der Händedruck von Verdun. Pathosformel der deutsch-französischen Versöhnung, in: Gerhard Paul (Hrsg.), Das Jahrhundert der Bilder, Bd. 2: 1949 bis heute, Bonn 2008, S. 498-505.
10.Vgl. Valérie Rosoux, La réconciliation franco-allemande: crédibilité et exemplarité d'un "couple à toute épreuve", in: Cahiers d'histoire, 100 (2007) Januar-März, S. 23-26, hier: S. 23.
11."Il n'y a que moi qui puisse réconcilier la France et l'Allemagne, puisqu'il n'y a que moi qui puisse relever l'Allemagne de sa déchéance." Alain Peyrefitte, C'était de Gaulle, t. 1: La France redevient la France, Paris 1994, S. 83.
12.Vgl. Nicolas Moll, Effacer le passé au nom de l'amitié? La gestion des mémoires de la Seconde Guerre mondiale au sein du processus de réconciliation franco-allemande, in: Allemagne d'Aujourd'hui, (2012) 201, S. 28-39.
13.Vgl. Claudia Moisel, Pragmatischer Formelkompromiss: Das deutsch-französische Globalabkommen von 1960, in: Hans Günter Hockerts/Claudia Moisel/Tobias Winstel, Grenzen der Wiedergutmachung. Die Entschädigung für NS-Verfolgte in West- und Osteuropa 1945-2000, Göttingen 2006, S. 242-284, hier: S. 257.
14.Vgl. Bernhard Brunner, Der Frankreich-Komplex. Die nationalsozialistischen Verbrechen in Frankreich und die Justiz der Bundesrepublik Deutschland, Göttingen 2004, S. 85f.; Claudia Moisel, Frankreich und die deutschen Kriegsverbrecher. Politik und Praxis der Strafverfolgung nach dem Zweiten Weltkrieg, Göttingen 2004, S. 240.
15.Bezogen auf seine Erfahrungen in Dachau schrieb Rovan: "In unseren Augen waren die politischen Gefangenen aus Deutschland unsere Frontkämpfer gegen die Vichy-Leute und die Anhänger der "Legion" die Verbündeten unserer nationalsozialistischen Gegner. Das war der wesentliche Unterschied insbesondere zum Ersten Weltkrieg. Der Zweite war in vielerlei Hinsicht ein europäischer Bürgerkrieg." Joseph Rovan, France-Allemagne 1945. Bâtir un avenir commun, Konferenz, Paris 24.-26.2.2000, »http://old.futuribles.com/PAX/Rovan.doc« (23.11.2012).
16.Vgl. Ansprache von Nicolas Sarkozy auf der Gedenkfeier zum Waffenstillstand nach dem Ersten Weltkrieg, Paris 11.11.2009, online: »http://www.france-allemagne.fr/Gedenkfeier-zum-Waffenstillstand,4970.html« (23.11.2012).
17."Nous n'avons pas eu recours à une utopie de la réconciliation. Nous avons cru que la mise en pratique d'une morale pouvait ne pas être inefficace." A. Grosser (Anm. 1).
18.Vgl. Hans Manfred Bock (Hrsg.), Projekt deutsch-französische Verständigung. Die Rolle der Zivilgesellschaft am Beispiel des Deutsch-französischen Instituts in Ludwigsburg, Opladen 1998; Corine Defrance/Michael Kissener/Pia Nordblom (Hrsg.), Wege der Verständigung zwischen Deutschen und Franzosen - Zivilgesellschaftliche Annäherungen, Tübingen 2010.
19.Bernard Lallement, Haben Sie Zivilgesellschaft gesagt?, in: Dokumente/Documents - Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog, (1999) 5, S. 96-102.
20.Vgl. Peter Sloterdijk, Theorie der Nachkriegszeiten: Bemerkungen zu den deutsch-französischen Beziehungen seit 1945, Frankfurt/M. 2008.
21.Vgl. Pierre Nora, Man hat sich auseinandergelebt, Gespräch von Olivier Guez mit Pierre Nora, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16.2.2012.
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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Corine Defrance für bpb.de
Ein Artikel aus der Badischen Zeitung :
ULM (dpa). Hans und Sophie Scholl zählen zu den bekanntesten Widerstandskämpfern der Nazi-Zeit. Ihr Gewissen ließ es nicht zu, Hitlers Terrorherrschaft kampflos hinzunehmen. Vor 70 Jahren wurden sie deshalb von den Nationalsozialisten ermordet. Ihre Wurzeln hatten sie in Baden-Württemberg. In ihrem hohenlohischen Heimatort Forchtenberg lebt die Erinnerung an sie fort: An vielen Ecken des 5000-Einwohner-Städtchens gibt es Orte des Gedächtnisses an die Geschwister Scholl. Auch in Ulm haben die NS-Widerstandskämpfer Spuren hinterlassen.
Die Geschwister Scholl gelten als Köpfe der christlich motivierten Widerstandsgruppe "Weiße Rose", die in München mit Flugblättern gegen das Hitler-Regime protestiert hatte. Hans und Sophie Scholl wurden am 22. Februar 1943 hingerichtet. Die Vorsitzende der Weiße-Rose-Stiftung in München, Hildegard Kronawitter, sieht in den beiden große Vorbilder auch für die heutige Jugend - für " Mut, Courage, unabhängiges Denken, für einen Freiheitswillen und für die Übernahme von individueller Verantwortung".
Im Südwesten erinnern Kindheitsspuren an die späteren Widerstandskämpfer. In Hans Scholls Geburtsort Ingersheim weist eine Gedenktafel auf den Sohn der Gemeinde hin. Der Spross des damaligen Schultheißen Robert Scholl wurde am 22. September 1918 in dem heutigen Crailsheimer Ortsteil geboren. Zwei Jahre später zieht die Familie nach Forchtenberg, wo der Vater als liberaler Bürgermeister in einem konservativen Umfeld agiert.
In Forchtenberg erblickt im Jahr nach dem Umzug, am 9. Mai 1921, Sophie das Licht der Welt. Sie wird in der Michaelskirche auf der Forchtenberger Höhe getauft. "Im Taufregister steht Lina Sofie", berichtet die örtliche Scholl-Expertin Renate Deck. Lina - kurz für Magdalena - geht auf die Mutter zurück. Diese bringt die Religion mit in die Familie. "Sie war eine fromme Frau, von tiefster Seele aufrecht", sagt Deck, die den Scholl-Pfad in Forchtenberg eingerichtet hat. Die Geschwister gingen gern in die Schule, erzählt sie weiter. Die Alte Schule beherbergt heute das Stadtarchiv.
Weil Robert Scholl nicht wiedergewählt wird, verlässt die Familie 1930 Forchtenberg. Nach einem Intermezzo in Ludwigsburg ziehen die Scholls 1932 nach Ulm um. Doch das Hohenlohische bleibt Sophie erhalten, betont Deck. "Sie war schon ein Hohenloher Mädle. Das hat man an ihrer Sprache immer gemerkt."
Die Familie lebt von 1933 an in einem großbürgerlichen Jugendstilhaus an der Ulmer Olgastraße, damals Adolf-Hitler-Ring genannt. Heute ist es ein denkmalgeschütztes Haus. Tafeln erinnern an die Familie, die 1939 in eine Wohnung mit sieben Zimmern am Münsterplatz zieht. Das Haus wird im Krieg zerstört. Heute steht dort eine Bank, Stelen erinnern an die Scholls.
"Sophie war künstlerisch und literarisch interessiert, Hans philosophisch. Beide gingen gern wandern und machten mit Freunden und Familie Skitouren", erzählt die Leiterin des Ulmer Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg, Nicola Wenge. Sophie macht 1940 ihr Abitur in der Mädchenoberrealschule, dem heutigen Hans-und-Sophie-Scholl-Gymnasium in Ulm. Hans absolviert sein Abitur an der Kepler-Oberschule in der Olgastraße.
Hans ist zunächst bei der Hitlerjugend, Sophie beim Bund deutscher Mädel. Doch Enttäuschung löst schon bald die Begeisterung ab. "Gegen Hans und auch gegen seine Geschwister Sophie, Werner und Inge ist 1937 ein Verfahren wegen verbotener bündischer Umtriebe eröffnet worden", sagt Wenge. Das brachte für Hans und Sophie den endgültigen Bruch mit dem NS-Regime. Später verteilten sie als Studenten in München Flugzettel im Namen der Gruppe "Weiße Rose".
Der Widerstand der Weißen Rose blieb bis zuletzt selbst engsten Verwandten verborgen. "Wir wussten überhaupt nichts", sagt Elisabeth Hartnagel, geborene Scholl. Die Schwester lebt in Stuttgart und wird in wenigen Tagen 93 Jahre alt. Nach dem Tod der Geschwister musste die Familie "Sippenhaft" erdulden. Mit dem Brustton tiefster Überzeugung sagt Elisabeth: "Wir waren stolz auf Hans und Sophie und ungeheuer beeindruckt von dem, was sie gemacht haben."
Bis zur Festnahme am Morgen des 18. Februar 1943 hatte es die Gestapo nicht ansatzweise geschafft, der Widerstandsbewegung auf die Schliche zu kommen. Diese hatte ihre Aktivitäten nach der verheerenden Schlacht von Stalingrad verstärkt, nachts Flugblätter in München verteilt und Anti-Hitler-Parolen an Hauswände geschrieben.
An jenem Morgen betreten Hans und Sophie Scholl mit einem Koffer voller Flugblätter die Münchner Universität, an der er Medizin und sie Biologie und Psychologie studiert. Als sie die Flugblätter von der Balustrade des Lichthofes im Foyer fallen lassen, werden sie von dem Hausmeister Jakob Schmid entdeckt und der Gestapo ausgeliefert. Vier Tage später sind die beiden - nur 24 und 21 Jahre alt - und ihr Mitstreiter Christoph Probst (23) tot. Später im Jahr werden auch die "Weiße Rose"-Mitglieder Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurt Huber von den Nazis hingerichtet. "Es lebe die Freiheit", das war der letzte Satz von Hans Scholl, bevor er seinen Kopf unter das Fallbeil legen musste.
Als "Erziehungsanstalt" verkaufte Himmler das KZ Dachau der Presse, als er 1933 die Errichtung des Lagers bekanntgab. Doch was hinter Stacheldrahtzäunen entstand, war ein grausames Modellprojekt, dessen Terrorstrategien bald in allen Konzentrationslagern angewandt wurden. Von Johanna Lutteroth
"Am Mittwoch wird in der Nähe von Dachau das erste Konzentrationslager mit einem Fassungsvermögen für 5000 Menschen errichtet werden." Knapp und sachlich skizzierte Heinrich Himmler, SS-Chef und frisch ernannter Polizeipräsident von München, am 20. März 1933 vor Journalisten die geplanten Neuerungen im bayrischen Strafvollzug. "Hier werden die gesamten kommunistischen und - soweit notwendig - Reichsbanner- und marxistischen Funktionäre, die die Sicherheit des Staates gefährden, zusammengezogen." Das Innenministerium und die Polizei seien überzeugt, dass die "Maßnahme" zur "Beruhigung der gesamten nationalen Bevölkerung" beitrage.
Lisez l'article du Spiegel ici.
Nom : Reichstagsbrand Eröffnung Dachau Zeitungsarti.pdf
Taille : 1010 Ko
... est mort le 8 mars 2013. C'était le dernier survivant de la Résistance militaire allemande qui, le 20 juillet 1944, avait tenté d'assassiner Hitler.
Cet attentat mérite que l'on s'y intéresse autrement qu'en se contentant de la version holywoodienne avec Tom Cruise.
19.07.2010 article dans Die Welt
Der Letzte vom 20. Juli
Ewald von Kleist war einer der Verschwörer um Oberst Stauffenberg. Dass er überlebte, wundert ihn noch heute. Eine Begegnung Von Michael Stürmer
A lire ici.
dpa :
Der frühere deutsche Widerstandkämpfer und Begründer der Münchner Sicherheitskonferenz, Ewald-Heinrich von Kleist, ist tot. Er starb am vergangenen Freitag im Alter von 90 Jahren. Ein Sprecher der Sicherheitskonferenz bestätigte am Dienstag einen entsprechenden Bericht der Zeitung „Die Welt“.
Kleist war am gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler durch die Verschwörer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 beteiligt, im FOCUS-Interview erzählte er noch im vergangenen Jahr von seiner Angst vor dem Attentat. Er war im Bendlerblock in Berlin, dem Sitz des Oberkommandos des Heeres dabei und sollte die Entwaffnung der „Leibstandarte Adolf Hitler“ überwachen. Nach dem Scheitern des Attentats wurde er verhaftet, überlebte aber Haft und Konzentrationslager. Nach dem Krieg wurde er in Berlin und München Verleger und gründete den Ewald-von-Kleist-Verlag in Berlin.
Begründer der Münchner Sicherheitskonferenz
1962 rief Kleist die Münchner Wehrkundetagung ins Leben, die später in Münchner Sicherheitskonferenz umbenannt wurde. Die Tagung ist heute eines der wichtigsten Treffen von Außen- und Sicherheitspolitikern weltweit. Kleist blieb stets Mahner für den Frieden.
„Wir haben eine Epoche von 65 Jahren Frieden hier in Zentraleuropa gehabt. Das hat es vorher nicht gegeben. Es ist eine einmalige Glücksoase gewesen“, sagte Kleist 2010 etwa bei einem öffentlichen Gelöbnis von Soldaten vor dem Reichstagsgebäude in Berlin.
L'affaire du Spiegel (Spiegel-Affäre) est une crise politico-médiatique survenue en RFA à l'automne 1962 à la suite de l'arrestation et l'incarcération de plusieurs responsables du magazine d'information Der Spiegel, notamment son fondateur et directeur de publication Rudolf Augsteinet le journaliste Conrad Ahlers, à l'initiative du ministre fédéral de la Défense, Franz Josef Strauß. L'action contre le magazine, accusé de haute trahison par Friedrich August von der Heydte pour avoir publié des informations confidentielles sur la défense de la RFA, fut marquée par plusieurs graves irrégularités et suscita un large mouvement de protestation dans l'opinion publique, la presse et les milieux intellectuels ; elle mena à la recomposition du gouvernement CDU/CSU-FDP, avança le départ du chancelier Konrad Adenauer un an plus tard, et coûta son poste à Strauß.
L'affaire fut la première grande crise intérieure de l'histoire de la RFA et servit d'accélérateur à un mouvement de libéralisation politique et sociale et au reflux des traditions autoritaires qui s'étaient maintenues dans les années 1950 et 1960. Elle prépara l'alternance de 1969 en même temps que le mouvement d'opposition extra-parlementaire, et mena au renforcement de la garantie constitutionnelle de liberté de la presse et de liberté d'opinion en RFA. Sur le plan personnel, elle entacha durablement la réputation de Strauß, et renforça à la fois le prestige du Spiegel et de Rudolf Augstein.
source : Wikipédia
Allez voir les publications de Planet Wissen sur l'affaire du SPIEGEL ici et l'animation interactive avec des vidéos ici.
"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten"
Die Worte von Ulbricht sollen sich kurz darauf als Lüge herausstellen. Am 13. August 1961 reißen DDR-Arbeitstrupps mitten in der Nacht das Straßenpflaster auf und errichten Stacheldrahtbarrieren. Westberlin wird abgeriegelt. Eine Mauer wird die Stadt 28 Jahre lang in West und Ost trennen. Das "Bauwerk des Todes" teilt Familien und zerstört Freundschaften. Erst die Politik von Gorbatschow Mitte der 80er Jahre leitet die Wende ein. Die DDR-Bürger gehen für Reformen auf die Straße, der öffentliche Druck auf die Regierung wächst. Am 9. November 1989 liegen sich Ost- und Westberliner in den Armen. Die Grenze ist offen, die Mauer ist gefallen. Die wichtigsten historischen Stationen des Mauerfalls lassen sich in der Zeitreise erkunden!
Die interaktive Mauer lädt zu einer spannenden Zeitreise ein! Hinter den anklickbaren Graffiti-Datumsangaben verbergen sich Kurzfilme und weiterführende Informationen zur Chronologie des Mauerfalls.
Aufbau der DDR-Grenzanlagen - am Beispiel der Berliner Mauer in den 70er Jahren
Wachtürme aus Beton, Signalzäune, Sperrgräben, Todesstreifen - ein Szenario, das für uns kaum vorstellbar ist, war noch vor wenigen Jahrzehnten für viele Menschen bitterer Alltag. Wie genau die Wachanlagen der Berliner Mauer in den 70er Jahren aufgebaut waren, kann man hier interaktiv erleben. Per Doppelklick kann man sich weiterführende Informationen zur Berliner Mauer aufrufen.
Wer über die Grenze in den Westen will, riskiert sein Leben. Auf Flüchtende wird geschossen. Zwischen 1961 und 1989 verlieren über 700 Menschen ihr Leben bei einem Fluchtversuch; davon mehr als 150 durch Todesschüsse und Minenexplosionen. Trotzdem gelingt vielen auch immer wieder die Flucht.
Sie ist im Prinzip folgendermaßen aufgebaut: Auf DDR-Gebiet wird zwischen einer knapp vier Meter hohen Betonmauer und einem Hinterlandszaun ein beleuchteter Grenzgürtel geschaffen, der sogenannte Todesstreifen. Wachtürme aus Beton, Signalzäune, Sperrgräben für Fahrzeuge und Hundelaufanlagen entstehen.
Après la démission de Christian Wulff, la BUNDESVERSAMMLUNG s'est mise d'accord sur Joachim GAUCK comme nouveau candidat à la présidence de la RFA, comme Bundespräsident.
Der Bundespräsident wird - vom Fall der vorzeitigen Beendigung der Amtszeit abgesehen - alle 5 Jahre von der Bundesversammlung, also indirekt gewählt. Die ausschließlich für die Wahl des Staatsoberhaupts der Bundesrepublik Deutschland gebildete Bundesversammlung besteht aus:
*allen Mitgliedern des Deutschen Bundestages sowie
*einer grundsätzlich gleichen Zahl an Vertretern der Bundesländer, die von den Landtagen gewählt werden.
Joachim Gauck (* 24. Januar 1940 in Rostock) ist ein deutscher evangelischer Pastor, Mitgestalter im Prozess der deutschen Wiedervereinigung, parteiloser Politikerund Publizist. Zwischen 1982 und 1990 leitete er die regionale Kirchentagsarbeit in Rostock. Zur Zeit der friedlichen Revolution in der DDR wurde Gauck ein führendes Mitglied des Neuen Forums in Rostock, nach der ersten und einzigen freien Volkskammerwahl 1990 Abgeordneter und von der Volkskammer zum Vorsitzenden des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des ehemaligen MfS/AfNS gewählt.
Gauck leitete ab dem 3. Oktober 1990 die Stasi-Unterlagen-Behörde (dann auch "Gauck-Behörde" genannt), die den Stasi-Nachlass verwaltet und zugänglich macht. Nach zwei Amtszeiten wurde er im Oktober 2000 von Marianne Birthler in dieser Funktion abgelöst. Seitdem engagiert sich Gauck gesellschaftspolitisch mit Vorträgen und Medienaktivitäten, etwa als Vorsitzender der Vereinigung "Gegen Vergessen - Für Demokratie". Er ist einer der Initiatoren der Prager Erklärung und der Erklärung über die Verbrechen des Kommunismus. Gauck wurde mehrfach für Verdienste und Publikationen geehrt und ausgezeichnet.
Gaucks Nominierung und Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten 2010 fand breite Zustimmung in den Medien und in der Bevölkerung, 42 % der Befragten sprachen sich für ihn aus. In drei Wahlgängen unterlag er dem von den Regierungsparteien nominierten Christian Wulff.
Seit dem 19. Februar 2012 ist Joachim Gauck - nach Absprache der Parteien SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Koalitionsparteien CDU, CSU und FDP - der Kandidat in der Bundesversammlung für die Nachfolge von Christian Wulff im Amt des Bundespräsidenten. Wulff war zwei Tage zuvor zurückgetreten.
Source : WIKIPEDIA
C'est pourtant lui qui a fait - de quelque sorte - tomber le mur !!
Eine Frage bringt die Mauer zu Fall
Riccardo Ehrman hat Günter Schabowski am 9. November 1989 im Internationalen Pressezentrum in Ost-Berlin eine einzige Frage gestellt. Es war die alles entscheidende.
Oscar Wilde habe einmal, sagt Riccardo Ehrman, das Leben eine schlechte Viertelstunde mit ein paar guten Momenten genannt. „Diese Pressekonferenz“, stellt Ehrman fest, „war einer der besten Momente meines Lebens.“ Obwohl er Günter Schabowski damals nur eine Frage gestellt habe. Es ist der 9. November 1989. Schabowski, SED-Spitzenfunktionär und Sprecher der DDR-Regierung, eröffnet eine internationale Pressekonferenz. Riccardo Ehrman, Ost-Berlin-Korrespondent der italienischen Nachrichtenagentur ANSA, sitzt auf einem Stuhl fast genau vor ihm. Um genau 18.53 Uhr gelingt es Ehrman, endlich seine Frage zu stellen. Sie bezieht sich auf eine geplante Regelung, die den DDR-Bürgern 30 Tage pro Jahr im Ausland erlaubt - allerdings mit enormen bürokratischen Hürden: „Herr Schabowski, glauben Sie nicht, dass dieser Reisegesetzentwurf ein großer Fehler war?“ Erst weicht Schabowski der Provokation aus, dann sagt er: „. . . haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergänge der DDR auszureisen“. Dies gelte ab „sofort, unverzüglich“. Erst später kommt heraus, dass diese neue Reiseregelung nur ein Entwurf war. Die Antwort auf Riccardo Ehrmans Frage aber schuf Fakten.
Riccardo Ehrman, Jahrgang 1929, lebt heute in Madrid. Der italienische Journalist war lange Jahre Auslandskorrespondent für die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Aus der DDR berichtete Ehrman von 1976 bis 1982 und von 1985 bis zu ihrem Ende.
Source/Quelle : Deutschland-Magazin
Les liens personnels et amicaux entre les citoyens de nos deux pays sont le fondement de l'entente franco-allemande.
"Agenda franco-allemand 2020" adopté par le conseil des ministres franco-allemand du 4 février 2010
À l'occasion de la célébration par le Président de la République française et par le Chancelier de la République fédérale d'Allemagne du quarantième anniversaire du Traité de l'Élysée, le 22 janvier 2003, il a été décidé que le 22 janvier serait chaque année, dans les deux pays, la « Journée franco-allemande ».
Un excellent dossier sur l'amitié franco-allemande se trouve ici.
Une série de meurtres commis par un groupe de Néo-nazis en Thuringe depuis 15 ans ranime le souvenir des pogromes racistes qui ont défrayé la chronique après la réunification (1990 à 1993 surtout). Le président de l'Allemagne, Christian Wulff, en a parlé lors de son discours de Noël 2011 (Weihnachtsansprache).
Hoyerswerda, Rostock, Solingen sont des noms de villes qui évoquent un souvenir douloureux. Connaître les événements de l'époque permet de mieux comprendre l'actualité.
Un article avec des vidéos des JTs de l'époque.
Großer Bahnhof in München: Anlässlich des 50. Jahrestages der Unterzeichnung des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens wurden Migranten der ersten Stunde von hochrangigen Vertretern aus Politik und Gesellschaft empfangen und geehrt. Auf Initiative der Türkischen Rundfunk- und Fernsehanstalt TRT waren sie - in Erinnerung an den historischen Weg der ersten türkischen "Gastarbeiter" vor einem halben Jahrhundert - mit einem Sonderzug vom Istanbuler Bahnhof Sirkeci aus nach München gekommen. Begleitet wurden sie von einer deutsch-türkischen Delegation aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die fünftägige Zugfahrt führte über Plovdiv, Belgrad, Zagreb und Salzburg in die bayerische Landeshauptstadt. Rund 400 geladene Gäste und Spitzenvertreter der deutschen und türkischen Öffentlichkeit feierten die Ankunft des TRT-Kulturzugs, der um 14:39 Uhr - mit einer nostalgischen Lok der DB Fernverkehr bespannt - in den Hauptbahnhof einrollte. Neben dem türkischen Vizepremier Bekir Bozdag befand sich auch Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, auf der letzten Etappe zwischen Salzburg und München an Bord des TRT-Kulturzugs.
"Das Projekt des "TRT-Kulturzuges" ist ausgezeichnet dafür geeignet, an die Anfänge des Zuzugs aus der Türkei nach Deutschland zu erinnern und sich über die vielfältigen persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen", so Staatsministerin Maria Böhmer. "Mein außerordentlicher Dank gilt TRT, dem Bayerischen Rundfunk und der Deutschen Bahn. Die "Gastarbeiter" und "Gastarbeiterinnen" haben mit ihrem unermüdlichen Einsatz entscheidend zum Wohlstand unseres Landes beigetragen. Dafür danke ich ihnen sehr herzlich. 1961 war "Almanya" für sie noch ein fremdes Land. Heute ist es ihre Heimat. Weil die meisten ihre Familien nachholten, sind inzwischen rund 2,9 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in unserem Land heimisch geworden. Viele haben sich hier erfolgreich eine Existenz aufgebaut: als Handwerker, Ingenieur, Ärztin, Pflegedienst, Supermarkt- oder Restaurantbesitzer. Auch für viele Deutsche ist die Türkei näher gerückt. Die türkische Kultur, das Essen, die Musik, die türkischen Hochzeitsfeiern gehören mittlerweile in Deutschland zum Alltag in vielen Städten. Das Band, das beide Länder verbindet, ist unzertrennbar. Das 50. Jubiläum des Anwerbeabkommens bietet die Chance, das Vertrauen zwischen beiden Ländern zu vertiefen. Gegenseitiges Vertrauen ist die Voraussetzung für ein gutes Miteinander."
In einer bewegenden, multikulturellen Zeremonie wurde 50 Jahre deutsch-türkische Geschichte mit Beteiligten der ersten Stunde begangen - an dem Ort, an dem die Migranten vor rund 50 Jahren schon einmal angekommen waren. Eine Gedenktafel, die an historischer Stätte enthüllt wurde, dokumentiert die gemeinsame Geschichte und wird am Istanbuler Bahnhof Sirkeci künftig ihren Bestimmungsort finden.
Eine Reise in ein unbekanntes Land und ein neues Leben - für die Migranten der ersten Stunde war die Idee der erneuten Zugfahrt nicht nur eine Würdigung der Vergangenheit, sondern stand symbolisch für den Aufbruch in eine gemeinsame Zukunft. "Dieses Land hat mir viel gegeben. Ihm verdanke ich viel Schönes und Neues, das ich vorher nicht kannte. Ich habe hier viel über das Leben gelernt", so Ahmet Yetis, der 1966 im Alter von 24 Jahren in München ankam. Mehmet Ali Zaimoglu ergänzt, dass für seine Identitätsbildung die Begegnung mit der deutschen Kultur eine positive Rolle gespielt hat. Der 73-jährige Autor hat seine Migrationsgeschichte in der Biographie "Wenn das fremde Land zur Heimat wird" niedergeschrieben. "Ich möchte den zukünftigen Generationen meine Erinnerungen, Träume und Hoffnungen weitergeben", sagt er.
Mit dem Kulturzug hat die TRT ein einmaliges Projekt ins Leben gerufen, das die Migrationsgeschichte türkischer "Gastarbeiter" in Deutschland in einem besonderen Rahmen würdigt. Über die gemeinsame emotionale Reise in die Vergangenheit hat der Kulturzug gleichzeitig eine Plattform für Austausch und Begegnung zwischen den beiden Kulturen geschaffen. Geschichten und Lebenswege der vergangenen 50 Jahre sowie Gespräche über die Zukunft des Miteinanders standen während der Jubiläumsfahrt und bei den Feierlichkeiten im Vordergrund. Eine Fotoausstellung mit historischen Bildern in einem Waggon des TRT-Kulturzugs ließ die Vergangenheit der deutsch-türkischen Migration im Kulturzug lebendig werden, thematisierte wichtige Meilensteine der gemeinsamen Geschichte und zeigte Momentaufnahmen aus der damaligen Zeit.
"Die Zugfahrt von Istanbul nach München verbindet die Türkei und Deutschland auf eine außergewöhnliche Art und Weise und hinterlässt wertvolle Eindrücke", so TRT-Generaldirektor Ibrahim Sahin. "Wir freuen uns sehr, mit dem TRT-Kulturzug den ehrwürdigen historischen Moment feiern zu können, der die Geschichte unserer beiden Länder seit 50 Jahren eng miteinander verknüpft."
Der TRT-Kulturzug ist Teil eines umfassenden Sonder- und Veranstaltungsprogramms, das die TRT zum 50. Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens in diesem Jahr ins Leben gerufen hat. Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk unter Förderung der Deutschen Bahn und Çaykur realisiert. Historischer Anlass ist das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei, das am 30. Oktober 1961 in Bad Godesberg unterschrieben wurde und den Beginn der türkischen Einwanderung nach Deutschland markiert. Rund 750.000 türkische Arbeitskräfte kamen zwischen 1961 und 1973 im Rahmen des Abkommens nach Deutschland. Die "Gastarbeiter", die nach Deutschland immigrierten, betraten im Münchener Hauptbahnhof auf dem mittlerweile historischen Gleis 11 erstmals den Boden ihrer neuen Heimat.
Über TRT
Die Rundfunk- und Fernsehanstalt TRT ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft der Türkei und konstituierendes Mitglied der European Broadcasting Union (EBU). Die TRT nahm am 1. Mai 1964 ihren Sendebetrieb auf und sendet inzwischen plattformübergreifend national wie international. Das Angebot umfasst 14 Fernsehkanäle, 15 Radiostationen sowie die Internetpräsenzen trt.net.tr und trt-world.com, die in 34 verschiedenen Sprachen abrufbar ist.
Originaltext: TRT Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/103230 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_103230.rss2
Pressekontakt: Pressekontakt TRT-Kulturzug dot.communications Martina Euchenhofer & Claudia von Junker und Bigato Tel.: +49 (0) 89 530 797 16 E-Mail: c.junker@dot-communications.de
Deutschlandkoordinator der TRT zum 50-jährigen Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens Dr. Vural Ünlü E-Mail: vural@uenlue.net
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Ci-joint un article de Canan Topçu, journaliste allemande, qui était à bord de ce train.
Nom : Zuversichtlich ins Ungewisse Zug Istanbul Mün.pdf
Taille : 203 Ko
"Die Historiengemälde des 19. Jahrhunderts gaben vor "reale" Ereignisse wiederzugeben. Dabei verwandten die Maler viel Mühe auf eine möglichst exakte Darstellung von Uniformen, Waffen und anderer Requisiten. Dennoch wird sehr schnell deutlich, dass die meisten Gemälde ausgesprochen arrangiert sind. So werden die Figuren hauptsächlich unter ästhetischen Gesichtspunkten gruppiert und mit ausgesprochen theatralischen Gesten wenden sie sich oft direkt an den Betrachter. Vor allem ist es jedoch der gezielte Einsatz des Lichts, der den Bilder ihre spektakulären Effekte verleiht. Durch das Arrangement der Figuren und die Lichteffekte werden die vorgeblich realistischen Bilder letzten Endes zu Dekorationen fürs Theater."
Für den Kunstunterricht im Rahmen des Deutschunterrichts ist diese Website ein echtes Plus : Bilder Geschichte.
Im August 1961 wurde mit dem Mauerbau begonnen - 1989 fiel die Betongrenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR.
Im Sammelportal des Deutschlandradios "50 Jahre Mauerbau" finden Sie zeithistorische Originalquellen, unschätzbares Archivmaterial und aktuelle Beiträge zum Thema.
Ein ausgezeichnetes Dossier (ein TIPP für die Europaklassen !!!) hier.
Encore une fois le lien vers le site "60 x Deutschland" : des moments historiques à connaître.





















